Architektonische Kleinode am Wegesrand

Entlang der 157 km langen Sieben-Kapellen Radtour im Landkreis Augsburg und Dilligen wurden sieben hölzerne Wegkapellen erbaut, alle herausragende, architektonische  Meisterwerke und jede für sich ein Unikat. Da war natürlich unsere Neugier geweckt. Bei recht kühlem und instabilem Wetter starteten wir am Bahnhof von Schwenningen und hofften auf Besserung, getreu dem Motto „Wenn Englein reisen …“.

Die Aussicht von einem hölzernen Turm verschaffte uns einen guten Überblick über das Naturschutzgebiet Ried bei Gramheim. Kurz darauf trafen wir in der Nähe von Oberthürheim auf die erste Kapelle, die etwas oberhalb vom Talgrund weithin sichtbar in die Höhe ragt. Das von Christoph Mäckler erbaute acht Meter lange und zwölf Meter hohe Gebäude besitzt einen Vorbau als Eingangsbereich und ein steiles Dach. Überrascht wurden wir allerdings im Inneren, wo 172 Farbgläser den Kapellenraum in ein tiefblaues Licht tauchen, das noch durch ein goldgelbes Kreuz in der nach Westen ausgerichteten Giebelwand durchdrungen wird.

Gestärkt mit Kirschnudel und Donauwelle aus einem Cafe in Wertingen, störte uns der Gegenwind Richtung Süden zur Kapelle Emersacker von Wilhelm Huber kaum noch. 

Die Blaue Kapelle im Laugnatal ist ein 12 m hoher Turmbau. Der Innenraum erhält sein Licht ausschließlich über ein gestaltetes Oberlicht aus blauem, mundgeblasenem Glas, welches auf die weißen Wände abstrahlt. Schon beim Abstellen unserer Fahrräder hörten wir Gesang und Gitarrenmusik. Der professionelle Gesang einer Gruppe von Frauen und Männern war in dem kleinen sakralen Raum sehr beeindruckend. Im anschließenden Gespräch mit der ebenfalls den 7-Kapellen-Weg radelnden Gruppe stellte sich heraus, daß sie in jeder Kapelle ein solch kleines Konzert sangen. Die Akustik sei aber gerade in dieser Turmkapelle besonders gut.

Ein schönes und bereicherndes Erlebnis, das uns gedanklich die nächsten Kilometer bis zur Kapelle von Hans Engel begleitete. Im flachen Donautal auf dem Weg von Offingen nach Gundelfingen steht die wie ein kleiner römischer Tempel anmutende Kapelle neben einem Angelteich. Der kreuzförmige Grundriss umschließt einen offenen Raum und zwei Sitznischen. Das flache Holzdach wird von zwölf gedrechselten Rundsäulen aus verleimtem Lärchenholz getragen. Drei große Glaswände sind grafisch mit Blattmotiven gestaltet und die vier Ecken werden als „grüne“ Wände aus Blutbuchen gebildet. Hier war für uns gut nachvollziehbar, daß der Erbauer mit seinem Entwurf das Außen und das Innen in Verbindung bringt, um Natur und Architektur intensiv erlebbar zu machen.

An einer Weggabelung am Radweg von Oberbechingen nach Dattenhausen sahen wir schon aus der Ferne die markante Wegkapelle von Frank Lattke in freier Landschaft stehen. Der quadratische Raum mit einer Grundfläche von knapp fünf mal fünf Metern wird überspannt von einem steilen hohen Sparrendach, das über der Diagonalen tief nach unten fällt.
Im Innern kommt man zur Ruhe und der Blick fällt auf das Kreuz im Licht. Hell und Dunkel modellieren den Raum, dessen Holzmaterialität alle Sinne umfängt. Ein Innen, das Geborgenheit, Konzentration und Ruhe ermöglicht. Schaut man durch die wenigen Ausschnitte nach draußen, nimmt man die umliegende Landschaft nur ausschnitthaft wahr.

Ganz anders die Kapelle Unterliezheim von John Pawson, die an einem Hang direkt aus dem Wald wächst. Mit dem Blick über die schwäbische Landschaft und zum Kirchturm des Dorfes, versteht man die Absicht des Erbauers, die Holzkapelle nicht als ein konventionelles Architekturwerk, sondern eher als ein Fundstück zu begreifen.

Der Bau selbst wirkt einfach und massiv, fast wie ein Holzstoß. Im Inneren tritt nur ein schmaler natürlicher Lichtstrahl von oben durch eine kleine Öffnung ein. Die düstere Umgebung lenkt die Aufmerksamkeit auf die beiden Lichtquellen am anderen Ende der Kapelle: die erhöhte kreuzförmige Öffnung sowie das einzige Fenster des Bauwerks.

Überwiegend auf Forst- und Fahrradwegen unterwegs, erblickten wir meist schon von weitem das nächste sakrale Bauwerk in der Landschaft. Wie eine Landmarke liegt inmitten von Feldern an einem leichten Hang über Kesselostheim die Kapelle von Staab Architekten. Der 14 Meter hohe Kapellenturm ist aus einzelnen Holzlamellen gefügt, die sich wie ein Flügelschlag zum Himmel auffächern. Sie bilden eine durchlässige Raumhülle, durch die Sonnenlicht, Wind, Regen und Schnee ins Innere der Kapelle gelangen und den Innenraum in unmittelbarer Verbindung zur umgebenden Landschaft halten. Mit zunehmender Höhe verengt sich der Innenraum und wird schließlich von einem Kreuz begrenzt, das die hölzerne Tragkonstruktion in die Öffnung zeichnet.

Den Umweg, etwas abseits von unserer geplanten Route, zur Wegkapelle von Alen Jasarevic nahmen wir bewusst in Kauf. Inzwischen waren wir so neugierig auf die außergewöhnlichen Ideen der Architekten, daß wir die paar Mehrkilometer gerne radelten. Und es lohnte sich. Die Kapelle Ludwigsschwaige liegt in den Donauauen, zwischen zahlreichen Waldinseln in einer weiten bewirtschafteten Ebene, die über ein dichtes Netz von Feldwegen erschlossen sind.    

Gleich zweier zum Gebet gefalteter Hände streckt sich die Kapelle zwölf Meter hoch in den Himmel. Die Grundfläche verjüngt sich auf einer Länge von sechs Metern in der Breite von fünf auf zwei Meter. Das steil geformte Dach, geradezu das Symbol für Schutz, umgibt den Innenraum, in dem sich das Licht verfängt. Zwei Stäbe aus massivem Stahl, geborgen aus der Donau, bilden das Kreuz, welches das hoch einfallende Licht teilt. 

Unabhängig wie man zu Kirche und Religion steht, die 7-Kapellen-Runde ist architektonisch und landschaftlich eine Reise wert.

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