Auf der Suche nach …

Auf der Suche nach Schnee und Sonne zur Jahreswende verschlug es uns mal wieder in die Dolomiten zum Schneeschuhgehen.

Unser Motto hieß, raus aus dem Alltagsgrau des Flachlands. Es war, wie meist um diese Jahreszeit, kein winterliches Weiß in Sicht, es herrschten fast frühlingshafte Temperaturen.

Das änderte sich erst als wir über den Brenner nach St. Vigil (1.285 m) und weiter bis zum Talschluss beim Berggasthof Pederü (1.550 m) fuhren. In zwei Stunden ging’s zum Rifugio Lavarella, das auf 2.050 m Meereshöhe inmitten des Naturparks Fanes Sennes Prags liegt, unserem Ausgangspunkt für Touren auf die umliegenden Berge.

Als Eingehtour nahmen wir uns die Schildkröte (2.459 m) vor. Über mäßig steile Hänge und einen kleinen Sattel bestiegen wir die markante Kuppe der Schildkröte. Wir hatten so viel Freude an den guten Bedingungen, dass wir unsere Tour über den Burgstall (Ciastel de Fanes, 2.657 m) ausweiteten. Die Entscheidung dafür fiel uns leicht, weil eine Gruppe vor uns bereits eine Spur in dem bodenlos pulvrigen Schnee angelegt hatte und uns so das mühsame und kraftraubende Spuren erspart blieb.

Am nächsten Tag wanderten wir auf einer ehemaligen Kriegsstraße über das Limojoch (2.172 m) auf die Hochebene der Großen Fanesalm. Unser Tagesziel, das Biwak des Friedens (2.710 m, Bivacco della Pace) unterhalb des Monte Castello, war schon vom Talboden aus zu sehen. Die lange Tour führt erst durch mäßig geneigte und später steilere Hügel hinauf auf ein ausgeprägtes Plateau und dann durch einen großen Felssturz unmittelbar unter den überhängenden Wänden des Ciampestrin entlang. Im oberen Teil wurde es für uns noch einmal recht steil und mühsam, aber schließlich erreichten wir die kleine Biwakschachtel am Fuß des Monte Castello und ein paar Meter weiter eine österreichisch-ungarische Stellung des Ersten Weltkriegs.

Ziel des nächsten Tages sollte die Kreuzkofelscharte (2.612 m) sein. Hinter unserer Unterkunft ging es entlang einem Bach und dann im Zickzack einen verschneiten Latschenhang hinauf. Die Sonne geleitete uns durch Senken und Mulden eines Hochplateaus, schließlich an einem See vorbei, den wir nur aufgrund der eisigen Strahlungskälte unter dem Schnee ausmachen konnten. Letztendlich erreichten wir einen namenlosen Gipfel zwischen Medesspitze (2.713 m) und Heiligkreuzkofel (2.907 m). Wir hatten zwar mehr Höhenmeter als zur Kreuzkofelscharte hinter uns, konnten aber energiesparend eine ausgetretene Spur nutzen und am höchsten Punkt die mystische Stimmung genießen. Zwischen den vom Wind getriebenen Wolken tauchten umliegende Gipfel auf und verschwanden wieder. Tief unter uns lag das grüne Tal von St. Kassian mit seinen weißen Bändern aus künstlich beschneiten Skipisten. Da waren wir doch lieber hier oben und genossen den natürlichen Pulverschnee.

Leider war am nächsten Tag unser Winterurlaub mit dem Abstieg von der Lavarellahütte nach Pederü zu Ende. Mit unserer Auszeit haben wir scheinbar alles richtig gemacht.